Wahrnehmung

Wahrnehmung

„Ausgangspunkt für die kindliche Erfahrung von der Welt und von sich selbst ist das, was das Kind wahrnimmt“

(Gerd E. Schäfer (Hrsg): Bildung beginnt mit der Geburt. Förderung von Bildungsprozessen in den ersten sechs Lebensjahren. Weinheim, Berlin, Basel 2003, S.43. Auch die weiteren Ausführungen dieses Bildungsbereiches beziehen sich im Wesentlichen auf diese Veröffentlichung.)

 

Wahrnehmen ist kein Abbild der Wirklichkeit, sondern ist von frühester Kindheit an (Aus-) Wählen, handelndes Strukturieren, Bewerten, Erinnern und sachliches Denken, d. h. ein breit angelegter Verarbeitungsprozess. Wahrnehmen erfolgt über die Fernsinne (Augen, Ohren, Nase), die Körperwahrnehmung (Erfahrung der Körpergrenzen, von Temperatur und Feuchtigkeit, der inneren Befindlichkeit des Körpers) und die emotionale Wahrnehmung (Wahrnehmung von Beziehungen, Liebe, Wut, Angst, Trauer etc.). Die enge Verknüpfung von Wahrnehmung mit Bewegung und mit Sprache ist Grundlage für die Ausdifferenzierung der Hirnfunktionen.

Lernen im frühen Kindesalter ist in erster Linie Lernen durch Wahrnehmung. Der Aufbau von körperlichen, emotionalen, kognitiven und sozialen Fähigkeiten ist immer mit Bewegung und Exploration verknüpft. In keinem anderen Lebensalter sind hierbei Selbstwirksamkeitserfahrungen so bedeutsam wie in der frühen Kindheit. Durch Handeln erprobt das Kind nicht nur seinen Körper, es entwickelt zudem ein Bild von seinen Möglichkeiten, seinen Fähigkeiten und erhält eine Vorstellung von seinem „Selbst“. In und durch Handlungen (Exploration) sammelt das Kind Wahrnehmungserfahrungen. Es entwickelt Eigeninitiative und –aktivität, bekommt Rückmeldungen über das, was es kann, und lernt, mit Erfolg und Misserfolg umzugehen. Freiräume und Möglichkeit einer freien Bewegungsentwicklung vermittelt jungen Kindern das Erlebnis, dass sie eigenständig in der Lage sind, etwas zu bewirken und zu verändern. Das Gefühl, selbst Kontrolle über die jeweilige Situation zu haben, kompetent zu sein und durch die eigenen Handlungen Einfluss auf die materielle oder soziale Umwelt nehmen zu können, stärkt Selbstkonzept und Autonomie.

(Bildungs- und Erziehungsempfehlungen für Kindertagesstätten in Rheinland-Pfalz 1. Auflage 2014, S.51-52; 3.1 Wahrnehmung)

 

Die Kinder erhalten bei uns die Möglichkeit,

sich auf der Basis guter Beziehung auf Wirklichkeitserfahrungen einzulassen.

  • Wir pflegen ein ausgewogenes Nähe- und Distanzverhältnis, das von Zuverlässigkeit und Vertrauen geprägt ist.
  • Wir vertrauen in die Fähigkeiten jedes Einzelnen und geben, unter Abschätzung der Gefahren, Raum für Experimente mit dem eigenen Körper und der Umwelt.
  • Wir spiegeln das Verhalten des Gegenübers ehrlich und authentisch.

Wahrnehmungserfahrungen mit allen Sinnen zu machen (Fernsinne, Körperwahrnehmung, emotionale Wahrnehmung).

  • Alle Angebote in unserer Kindertagesstätte sind nach dem Prinzip des Ganzheitlichen-Lernens aufgebaut.
  • Der eigene Körper ist das höchste Gut und wird respektvoll behandelt.
  • Bewegungs- und Stilleübungen lassen den eigenen Körper besser kennenlernen.
  • Gefühle werden von Anfang an gespiegelt und authentisch weitergegeben.
  • Jeder hat das Recht auf seinen Körper, dessen Fähigkeiten und dessen Unversehrtheit.

zu vielfältigen und verzweigten sinnlichen Erfahrungen in Innen- und Außenräume, mit Materialien, mit anderen Kindern und Erwachsenen.

  • Die Innenräume sowie der Außenbereich sind dem Alter und den Bedürfnissen der Zielgruppe entsprechend gestaltet.
  • Die Materialen sind freizugänglich, vielfältig und ermöglichen mehrere Benutzungsmöglichkeiten.
  • Das christliche Zusammenleben erfordert ein hohes Maß an sozialer Kompetenz und bietet eine Vielzahl an Erfahrungen.

zu neuen Explorationen eingeladen, angeregt und ermutigt zu werden.

  • Die Erwachsenen sind Unterstützer bei der Verwirklichung von Ideen und zeigen in ihrer Vorbildfunktion mögliche Wege zur Konfliktlösung.
  • Die Umwelt in der Kindertagesstätte ist so gestaltet, dass sie Erfahrungen mit Alltagsgeständen und –Tätigkeiten zulässt, gewollte Risiken ermöglichen eigenen Erfolg und stärken das Selbstbewusstsein.
  • Die Erwachsenen lassen eigene Wege der Handlungsumsetzung zu und stellen eigene Bilder zurück.

Selbstwirksamkeitserfahrungen in einem Klima achtsamer Zugewandtheit machen zu können.

  • Auf jedes Handeln folgt eine logische Konsequenz.
  • Wünsche und Bedürfnisse werden kommuniziert und respektvoll behandelt.
  • Die Teilhabe aller an der Gestaltung und Umsetzung des Alltages in der Kindertagesstätte ist unabdingbar.
  • Rollenspiele ermöglichen Selbstwirksamkeitserfahrungen aus verschiedenen Positionen.

ihr Recht auf Freiräume zur Bewältigung eigener Entwicklungsaufgaben nutzen zu können.

  • Im Freispiel bestimmt jedes Kind selbst, welche Angebote es nutzen möchte.
  • Jedes Kind wird gehört, gesehen und in seinen individuellen Entwicklungsprozessen unterstützt.
  • Der Alltag steht in einem ausgewogenen Verhältnis von gemeinschaftlichen Angeboten und eigenbestimmter Beschäftigung.
  • Jedes Kind wird in seiner Selbstständigkeit ermutigt und gefördert. Selbstständigkeit wird als ein hohes Gut vermittelt.

 

Dies geschieht mit dem Ziel,

Wahrnehmung zu intensivieren und zu schärfen, die eigene Wahrnehmungswelt zu ordnen, um Personen und Dinge dieser Welt abzugrenzen und zu unterscheiden, damit (innere) Bilder von den Dingen dieser Welt entstehen können und sich immer mehr ausdifferenzieren.

(Bildungs- und Erziehungsempfehlungen für Kindertagesstätten in Rheinland-Pfalz 1. Auflage 2014, Auszug aus S. 53)

 

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